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Eine Basler Gruppe wandert im Kosovo

Was, du planst eine Wanderreise nach Kosovo, fragt mich ein Bekannter. Hat es dort überhaupt Berge, und warum ausgerechnet nach Kosovo?

Für Schweizer ist Kosovo keine attraktive Reisedestination; aber Berge scheint es doch zu haben; denn im Katalog von GAEA-Tours wird eine Wander-Reise ausgeschrieben, die mich interessiert. Ich erzähle es weiter, und schnell bildet sich in Basel eine Gruppe von sieben Freunden, die in Kosovo und Nordalbanien wandern wollen.
Wir waren schon oft zusammen in den Bergen unterwegs: in der Schweiz, Italien und Frankreich. Immer stand bisher das Wandern, die Bewegung, das Berg-Erlebnis im Zentrum.
Aber in Kosovo verschiebt sich das Interesse schon sehr bald; jedenfalls für mich.
Natürlich stehen innerhalb von elf Tagen sieben Bergtouren auf dem Programm. Aber was während und zwischen den Wanderungen geschieht, wird mir immer wichtiger. Bergregionen ähnlich wie in Kosovo gibt es auch in der Schweiz: im Emmental oder im Toggenburg, im Simmental und im Entlebuch. Dazu braucht man nicht nach Kosovo zu reisen.
Aber wir sind Menschen begegnet, die in einer ganz andern Kultur leben, von deren geschichtlichem Hintergrund ich nur wenig weiss und deren soziale Alltagswirklichkeit mit der meinigen nicht vergleichbar ist.

Drei Beispiele:

Auf einer unserer Wanderungen müssen wir auf einen Teil der Gruppe warten, weil diese einen längeren Weg gewählt hat. Bei einem ganz einfachen Berg-Bauernhof bitten wir um einen Rastplatz, weil es regnet. Das Ehepaar und sechs Kinder führen uns ins Gästehaus, das mit Teppichen und Sitzpolstern ausgelegt ist, auf die wir uns niederlassen. Dann bieten sie uns Kaffee und drei Sorten selbst gemachten Käse an und ermuntern uns zum Zugreifen, während sie selber nichts zu sich nehmen, weil sie den Ramadan halten. Wir sind „Schutzsuchende“, vorüberziehende Fremde; aber wir werden als Gäste behandelt, denen man Ehre erweist, sie bewirtet und ihnen Zeit schenkt.

Als ein weltpolitisch interessierter Mensch weiss ich etwas vom Balkankrieg der 1990er-Jahre und vom Kampf, welcher zur Unabhängigkeit des Kosovo von Serbien geführt hat. Aber dass dieser Kampf erst vor sechszehn Jahren geführt worden ist, dass er in Gesprächen  mit Menschen immer wieder gegenwärtig ist und dass wir zwei grosse Friedhöfe besuchen, in denen viele Hunderte Kriegsopfer begraben sind, das dringt erst auf dieser Reise in mein Bewusstsein.

Ich habe mehrere gut ausgebildete junge Menschen kennengelernt, die sich äusserlich kaum von gleichaltrigen Schweizern unterscheiden. (Auch sie spielen dauernd mit ihrem Handy.) Aber viele von ihnen haben entweder keine Arbeit, oder sie kommen mit ihrem Einkommen von monatlich +/-  400 Euro nicht allein für sich selber, sondern auch für Eltern und Geschwister auf. Das Netzwerk der Familiensolidarität scheint in Kosovo noch weitgehend intakt zu sein.

Kosovo ist ein kleines Land; kleiner noch als die kleine Schweiz. Es ist ein landschaftlich schönes Land mit eindrücklichen Schluchten und Bergen. Aber nicht das hat mich am meisten beeindruckt.

Beeindruckt haben mich die freundlichen, kontaktfreudigen Menschen, denen ich begegnen durfte, die ihren oft schwierigen Alltag mit Gelassenheit und Humor bewältigen.
Oder wie mir eine junge Frau, die ausgezeichnet Deutsch spricht, sagt:
„Das Leben ist nicht einfach, aber einfach schön.“

Theophil Spoerri
Basel, 5. August 2015

GjakovaBasel is further promoting the Touristic beauties of Kosovo.